Einführung

Heute hätten eigentlich unsere Erstkommunionkinder ihre Erstkommunion gehabt. Doch aus aktuellem Anlass muss diese Feier auf den September verschoben werden. Weißer Sonntag und Erstkommunion passen ganz gut zusammen, und so wird es auch in vielen Gemeinden praktiziert.

Allerdings hat dieser Sonntag seinen Namen aus einem anderen Grund. In der frühen Kirche, etwa bis zum fünften Jahrhundert, wurden nicht Kleinkinder sondern Erwachsene getauft, die sich selbst bewusst dafür entschieden. Die Taufe fand vorzugsweise in der Feier der Osternacht statt. Während der ganzen folgenden Osterwoche trugen die Neugetauften ihre weißen Taufgewänder auch in der Öffentlichkeit als sichtbares Glaubenszeichen. Der Apostel Paulus sagt: „Wer getauft ist, hat Christus wie ein Gewand angezogen“ (Gal 3,27). Am Oktavtag zu Ostern, also am Weißen Sonntag, kamen die Neugetauften ein letztes Mal in feierlicher Prozession zum Gottesdienst und legten danach ihre weißen Gewänder wieder ab.

Die Kindertaufe hat sich erst später entwickelt. Parallel dazu lässt sich die Praxis nachweisen, den Weißen Sonntag als bevorzugten Termin für die Feier der Erstkommunion zu wählen.

Erste Lesung: APG 2,42-47

Antwortpsalm: PS 118 (117)

Zweite Lesung: 1 Petr 1, 3-9

Evangelium „Der ungläubige Thomas“ Joh 20,19-31

Auslegung

Der Apostel Thomas bekam im Laufe der Zeit einen negativen Beinamen: „der ungläubige Thomas“! Schade, das wird dem Thomas nicht gerecht. Wir könnten ihn ebenso gut bezeichnen als den „gläubig gewordenen Thomas“ oder als den „Thomas, der sich selbst davon überzeugt hat und so zum Glauben gekommen ist.“ Thomas glaubt nicht leichtfertig, nur weil ihm die anderen Jünger von ihrer Erfahrung berichten. Thomas ist also nicht leichtgläubig. Wollen wir etwa leichtgläubig sein? Bestimmt nicht! Denn ein leichtfertiger Glaube ist nicht tragfähig und hält Belastungen und Anfechtungen nicht Stand. Thomas hingegen zweifelt zunächst. Der Zweifel ist keine Sünde, er gehört zu einem kritischen Menschen. Der Zweifel ist nie schön und angenehm, denn der Zweifel bohrt und gibt sich mit dem Augenscheinlichen nicht zufrieden. Das ist unangenehm und kann auch uns bisweilen den Schlaf rauben. Thomas will und muss sich selbst überzeugen. Nur so ist er überzeugt, nur so kann er für andere überzeugend sein. Hast du dich von deinem Glauben auch schon selbst überzeugt?

Jesus, der auferstandene Herr, reagiert mit übermenschlicher Größe! Ja natürlich, wie könnte er auch anders? Er ist ja selbst Gott! Keine Kritik an Thomas, keine Abweisung, keine moralische Belehrung. Im Gegenteil, der Auferstandene geht auf Thomas zu, kommt ihm entgegen und macht es ihm letztendlich sogar leicht, den Schritt vom Zweifel zum Glauben zu gehen. Hätte jetzt Thomas auf seinen Zweifel bestanden, dann wäre es vielleicht eine Sünde gewesen. Thomas aber macht nicht nur den Vertrauensschritt vom Zweifel zum Glauben, sondern er legt sogar ein wunderbares Glaubensbekenntnis ab und sagt: „Mein Herr und mein Gott!“ Liegt es möglicherweise am mangelnden Vertrauen, wenn ich den Schritt vom Zweifel zum Glauben nicht schaffe? Doch lass dich einfach nur überraschen, auch hier wird der auferstandene Herr dir entgegenkommen.

Peter Martin